ADT Best Practices für Clean Core Entwicklung

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November 2025
14 Min. Lesezeit

Die ABAP Development Tools (ADT) in Eclipse sind das zentrale Werkzeug für moderne SAP-Entwicklung. Die richtige Konfiguration und Nutzung von ADT entscheidet maßgeblich über die Effizienz der Clean Core-Entwicklung.

Dieser Leitfaden zeigt, wie Entwicklungsteams ihre ADT-Umgebung optimal für Clean Core-Anforderungen konfigurieren und welche Praktiken die Produktivität steigern.

Die Grundkonfiguration für Clean Core

ATC-Integration aktivieren

Der ABAP Test Cockpit (ATC) ist das Herzstück der Clean Core-Qualitätssicherung. Seine Integration in ADT ermöglicht kontinuierliches Feedback während der Entwicklung. Die Konfiguration erfolgt über die ADT-Einstellungen, wo zunächst die Verbindung zum ATC-System hergestellt wird. Anschließend sollte die automatische Prüfung bei Speichern aktiviert werden – so erhält der Entwickler sofortiges Feedback zu Clean Core-Verletzungen.

Die Wahl der richtigen Prüfvariante ist entscheidend. Für Clean Core-Entwicklung empfiehlt sich eine Variante, die sowohl syntaktische Prüfungen als auch Clean Core-spezifische Checks enthält. Diese Variante sollte für das gesamte Entwicklungsteam standardisiert werden, um konsistente Qualitätsstandards zu gewährleisten.

Projektkonfiguration optimieren

Die Strukturierung der Eclipse-Projekte beeinflusst die Übersichtlichkeit erheblich. Bewährt hat sich die Trennung nach Entwicklungspaketen, wobei jedes Paket sein eigenes Projekt erhält. Dies ermöglicht gezielte ATC-Prüfungen auf Paketebene und erleichtert die Teamarbeit durch klare Zuständigkeiten.

Die Favoriten-Funktion in ADT sollte aktiv genutzt werden, um häufig benötigte Objekte schnell erreichbar zu halten. Dabei empfiehlt sich die Organisation nach Arbeitsbereichen – beispielsweise separate Favoriten für das aktuelle Projekt, für Referenzobjekte und für Utility-Klassen.

Effiziente Navigation im Code

Der Released Objects Browser

Eines der mächtigsten Werkzeuge für Clean Core-Entwicklung ist der Released Objects Browser. Er ermöglicht die gezielte Suche nach freigegebenen APIs, die für ABAP Cloud zugelassen sind. Anstatt auf Verdacht APIs zu verwenden und später durch ATC-Fehler überrascht zu werden, können Entwickler vorab prüfen, welche Alternativen zur Verfügung stehen.

Die Suche im Browser kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen: nach Objekttyp wie Klassen, Interfaces oder CDS-Views, nach Schlüsselwörtern im Namen oder in der Dokumentation, nach dem Release-Status und nach funktionalen Bereichen. Diese Filtermöglichkeiten machen den Browser zu einem unverzichtbaren Recherchewerkzeug.

Navigationstastenkürzel meistern

Effiziente Entwickler navigieren hauptsächlich per Tastatur. Die wichtigsten Kürzel sollten zur zweiten Natur werden. Die Kombination Strg+Shift+A öffnet eine universelle Suche, die schnell zu jedem Objekt im System führt. F3 springt zur Definition des markierten Elements, während Strg+G die Aufrufhierarchie zeigt – unverzichtbar beim Refactoring.

Für die Clean Core-Entwicklung besonders relevant ist Alt+Shift+S, das Quellcode-Aktionen öffnet. Hier finden sich Optionen zum Generieren von Methodenrümpfen, zum Implementieren von Interfaces und zum Erstellen von Konstruktoren – alles in einem sauberen, einheitlichen Stil.

Die Arbeit mit CDS Views

CDS-Editor-Funktionen nutzen

Der CDS-Editor in ADT bietet spezialisierte Funktionen für die View-Entwicklung. Die automatische Vervollständigung kennt Assoziationen, Annotations und Funktionen und schlägt kontextsensitiv passende Optionen vor. Dies reduziert nicht nur Tipparbeit, sondern verhindert auch syntaktische Fehler.

Die Data Preview ermöglicht das direkte Testen von CDS-Views ohne den Umweg über einen Testbericht. Filter können gesetzt und Ergebnisse analysiert werden. Für die Entwicklung komplexer Views mit Berechnungen und Aggregationen ist dies unverzichtbar.

Annotation-Unterstützung

Annotations sind ein wesentlicher Bestandteil der CDS-Entwicklung, insbesondere für RAP-Anwendungen. ADT bietet Content Assist für Annotations, der die verfügbaren Optionen mit Dokumentation präsentiert. Die korrekte Verwendung von Annotations entscheidet über das Verhalten von Fiori-Apps und OData-Services.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Consumption-Annotations für UI-Steuerung, die ObjectModel-Annotations für semantische Informationen und die API-Annotations für die Schnittstellendefinition. Ein sauberes Annotation-Design zu Beginn spart spätere Korrekturarbeit.

RAP-Entwicklung mit ADT

Business Object Wizard

Der RAP Business Object Wizard beschleunigt die Erstellung neuer Geschäftsobjekte erheblich. Ausgehend von CDS-Views generiert er Behavior Definitions, Behavior Implementations und Service Definitions. Die generierten Artefakte folgen Best Practices und können als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung dienen.

Der Wizard unterstützt sowohl Managed als auch Unmanaged Scenarios. Für Neuentwicklungen sollte in der Regel Managed gewählt werden, da dies den meisten Boilerplate-Code eliminiert. Unmanaged bleibt für Szenarien relevant, in denen bestehende Logik gewrappt oder spezielle Anforderungen erfüllt werden müssen.

Behavior Definition Editor

Der spezialisierte Editor für Behavior Definitions bietet Syntaxprüfung, automatische Vervollständigung und Quick Fixes. Fehler in der Definition werden sofort markiert und erläutert. Dies ist besonders wertvoll bei komplexen Szenarien mit mehreren Entitäten und Assoziationen.

Die Navigation zwischen Behavior Definition und Behavior Implementation erfolgt per Tastenkürzel. Wenn in der Definition eine Aktion oder Determination definiert wird, kann ADT automatisch den Methodenrumpf in der Implementation-Klasse generieren.

Debugging und Fehleranalyse

ABAP Debugger in ADT

Der ADT-Debugger übertrifft den klassischen SAP GUI Debugger in vielen Aspekten. Die Variable Inspection ermöglicht tiefes Eintauchen in komplexe Strukturen, während die Watch Expressions kontinuierlich Ausdrücke überwachen. Breakpoints können nicht nur auf Zeilen, sondern auch auf Exceptions und Feldänderungen gesetzt werden.

Für Clean Core-Entwicklung besonders relevant ist das Debugging von HTTP-Services und OData-Calls. External Breakpoints ermöglichen das Debuggen von Code, der durch externe Anfragen ausgelöst wird – etwa von einer Fiori-App. Die Konfiguration erfordert die Aktivierung des External Debugging für den Benutzer.

ATC-Ergebnisse interpretieren

Die ATC-Ergebnisansicht in ADT zeigt nicht nur die Findings, sondern auch deren Kategorisierung und Dokumentation. Ein Doppelklick führt direkt zur betroffenen Codezeile. Die Priorisierung nach Severity hilft, die wichtigsten Probleme zuerst anzugehen.

Besonders nützlich ist die Möglichkeit, Findings mit Begründungen zu versehen. Wenn ein Finding bewusst akzeptiert wird, sollte dies dokumentiert werden. Diese Dokumentation bleibt erhalten und erklärt späteren Reviewern die Entscheidung.

Teamarbeit und Versionskontrolle

Transport-Integration

ADT zeigt den Transportstatus von Objekten direkt an und ermöglicht das Zuweisen zu Transportaufträgen aus dem Editor heraus. Die Transport Organizer View bietet Überblick über alle offenen Transporte und deren Inhalt. Vor dem Freigeben eines Transports sollte immer eine ATC-Prüfung des gesamten Transportinhalts erfolgen.

Git-Integration (abapGit)

Für Teams, die abapGit nutzen, bietet ADT Integration über das abapGit Eclipse Plugin. Die Synchronisation mit Git-Repositories erfolgt direkt aus Eclipse, ebenso wie Vergleiche und Konfliktauflösung. Diese Integration ermöglicht moderne DevOps-Workflows auch für ABAP-Code.

Produktivitätstipps

Templates und Snippets

ADT unterstützt Code Templates, die wiederkehrende Codemuster automatisieren. Für Clean Core-Entwicklung empfiehlt sich die Erstellung von Templates für gängige Patterns wie Exception-Handling, Logging oder Methodensignaturen. Templates werden per Kürzel und Tab-Taste eingefügt und können Platzhalter für variable Teile enthalten.

Workspace-Organisation

Die Organisation des Eclipse-Workspace beeinflusst die tägliche Arbeit erheblich. Working Sets gruppieren zusammengehörige Projekte, während Perspektiven verschiedene View-Anordnungen für verschiedene Aufgaben speichern. Eine Clean Core Development Perspektive könnte den Released Objects Browser, die ATC Problems View und den Favoriten-View prominent platzieren.

Häufige Fehler vermeiden

Ein häufiger Fehler ist das Ignorieren von ATC-Warnings. Auch wenn nur Errors den Transport blockieren, akkumulieren sich Warnings über Zeit zu technischer Schuld. Die Disziplin, auch Warnings zu bereinigen, zahlt sich langfristig aus.

Ein weiterer Fehler ist die unzureichende Nutzung der ADT-Dokumentation. Viele Features bleiben unbekannt, weil Entwickler nicht in die Hilfe schauen. Regelmäßiges Erkunden der Menüs und der Eclipse-Hilfe offenbart oft nützliche Funktionen.

Fazit

ADT ist weit mehr als ein Code-Editor – es ist eine integrierte Entwicklungsumgebung, die Clean Core-Entwicklung aktiv unterstützt. Die Investition in die optimale Konfiguration und das Erlernen der Funktionen zahlt sich durch höhere Produktivität und bessere Codequalität mehrfach aus.

Teams sollten Zeit für gemeinsame Konfigurationsstandards und Schulungen einplanen. Ein gemeinsames Verständnis der Best Practices und eine einheitliche Toolkonfiguration sind Grundlage effizienter Zusammenarbeit in der Clean Core-Entwicklung.

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